Bei einem Protest in Spanien wurde ein Banner gezeigt, das die israelische Flagge mit einem Hakenkreuz gleichsetzt. Seit dem 7. Oktober 2023 taucht dieses Symbol immer häufiger auf Demonstrationen und in politischen Kampagnen auf. Es ist eines der abscheulichsten antisemitischen Bilder unserer Zeit.
Das Hakenkreuz steht nicht einfach für Krieg oder Leid. Es steht für die systematische Entrechtung und Vernichtung der europäischen Juden. Es steht für die Nürnberger Rassengesetze, die jüdische Menschen aus ihrer eigenen Gesellschaft ausschlossen, für Berufsverbote, Enteignungen, die Zerstörung jüdischer Geschäfte, Pogrome, die Reichspogromnacht, Deportationen in Viehwagongs, Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager.
Für die Gaskammern von Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor, Belzec, Chelmno, Majdanek.
Für Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald, Ravensbrück, Flossenbürg, Mauthausen, Neuengamme, Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora, Natzweiler-Struthof, Groß-Rosen, Stutthof, Oranienburg, Esterwegen und Moringen.
Es steht für sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden – Menschen, die nicht wegen einer politischen Handlung verfolgt wurden, oder weil sie einen Krieg geführt hatten, sondern einzig und allein, weil sie Juden waren.
Sie hatten niemanden mit Raketen beschossen.
Sie hatten keine 1200 Menschen brutal ermordet.
Sie haben keine 251 Geiseln entführt und in Tunneln gehalten.
Und keine internationalen Hilfsorganisationen lieferten Hilfsgüter in die Ghettos und Vernichtungslager.
Es gab keine Massenproteste auf irgentwelchen Strassen für die Befreiung von Auschwitz.
Besonders nicht in Spanien.
Und gerade Spanien blickt auf eine lange Geschichte der Judenverfolgung zurück: auf die Pogrome des Mittelalters, die Zwangskonversionen, die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung durch das Alhambra-Edikt von 1492 und die Verfolgung durch die Inquisition.
Auch in der spanischen Kulturgeschichte finden sich Beispiele dafür, wie antijüdische Bilder über Jahrhunderte weitergetragen wurden. Die Tradition der „Quema del Judas“ – der Verbrennung einer Judas-Puppe zu Ostern – entstand in einer Zeit, in der die Figur des Judas Iskariot nicht nur als biblische Gestalt betrachtet wurde, sondern häufig als Projektionsfläche für antijüdische Feindbilder diente. In vielen Regionen werden solche Darstellungen mit stereotypen jüdischen Merkmalen versehen. In León wird zur Osterzeit das Getränk „Matar Judíos“ („Juden töten“) angeboten. Und niemand findet das irgentwie problematisch.
Natürlich kann und darf man die Politik einer israelischen Regierung kritisieren. Aber die Gleichsetzung Israels mit Nazi-Deutschland überschreitet jede Grenze.
In Gaza und im Westjordanland gibt es zweifellos Krieg, Leid und eine komplexe politische Realität, die diskutiert werden muss.
Ein Hakenkreuz ist keine politische Kritik.
Es ist das Symbol der Mörder von 6 Millionen Jüdinnen und Juden.